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15.12.2006

Was die Peter-Petersen-Schule mit der Bretagne verbindet

Es war ein rauschender Empfang am Mittwochabend, als der Zug aus Paris kurz nach 19 Uhr in den Frankfurter Hauptbahnhof einrollte.

Mit an Bord: 23 Schüler der siebten, achten und neunten Klasse des College Saint Marie in Saint-Brieuc. Bereits im Mai waren 32 Schüler der Peter-Petersen-Schule in der 70 000 Einwohner zählenden Stadt im Westen der Bretagne zu Gast. Jetzt, kurz vor Weihnachten, sind die französischen Schüler zum Gegenbesuch in die Mainmetropole gekommen.

„Es war toll, als wir uns am Bahnhof wieder getroffen haben“, schwärmt Ma´Shanda (13), die ihre Freundin Lourianne (14) freudestrahlend umarmte. Bereits im Sommer hatten sich die Mädchen, nachdem sie sich im Mai kennen gelernt hatten, ein zweites Mal getroffen. „Meine Eltern haben mich für zwei Wochen nach Saint-Brieuc gefahren“, erzählt Ma´Shanda. Die Teenager telefonieren oder chatten fast täglich, um den Kontakt nicht abreißen zu lassen. „Wir bleiben bestimmt Freundinnen fürs Leben.“ Am Wochenende wollen sie reiten. „Ich habe eine Reitbeteiligung an einem Pferd, einem weißen Araber-Wallach namens Acusa“, erzählt Ma´Shanda. Am ersten Abend seien sie sofort dorthin gefahren, um Hallo zu sagen.

Bei der offiziellen Begrüßung in der Bibliothek der Peter-Petersen-Schule gestern Morgen erzählen Schulleiter Bernhard Becker und Französischlehrerin Marie-Catherine Tanguy, die den Austausch organisiert, was die Schüler in den kommenden Tagen erwartet. „Heute machen wir zu Fuß eine Tour durch die Stadt: zur Alten Oper, zum Römer und auf die Aussichtsterrasse auf der Zeilgalerie“, sagt Tanguy. Am heutigen Freitag steht Bowling auf dem Programm. Nachmittags geht es ins Senckenbergmuseum. Das Wochenende ist den Familien vorbehalten. Tanguy hofft, dass es bald schneit, denn „am Dienstag wollen wir rund um den Fuchstanz und den kleinen und großen Feldberg“. Da käme die weiße Pracht gerade recht. Zuvor wird am Montag die Kelterei Rapps in Karben besucht. Am Mittwoch geht’s zum Flughafen. „Dort arbeiten ungefähr so viele Menschen, wie in Saint-Brieuc leben“, erklärt Becker den staunenden Gästen.

Die Vorweihnachtszeit sei ideal für einen Besuch der Bretonen. „In Frankreich gibt es keine Weihnachtsplätzchen, Weihnachtskalender und Weihnachtsmärkte wie bei uns“, weiß die Französisch-Lehrerin. Nur im Elsass gebe es diese Tradition auch – 1000 Kilometer von Saint-Brieuc entfernt. Ein Besuch auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt sei daher Pflicht. Für manchen der Besucher sei es der erste Ausflug in die Großstadt. „Einige sind zum ersten Mal in ihrem Leben U-Bahn gefahren, als sie auf der Zugfahrt in Paris umsteigen mussten.“

Dass es den Schüleraustausch seit inzwischen sechs Jahren überhaupt gibt, ist vor allem Frau Tanguy und ihrer langjährigen Freundin Michelle Herviou zu verdanken, die am College Saint Marie unterrichtet. Immer im Mai fahren die Peter-Petersen-Schüler seit dem Jahr 2000 in die Bretagne, wo sie das Meer, die Inseln und die schöne Landschaft genießen, Austern probieren, Crêpe essen oder – wie in diesem Frühjahr – Golf spielen lernen. Und neue Freunde finden. „Viele Schüler halten noch über Jahre hinaus Kontakt, so wie Ma´Shanda und Lourianne.“ Erst vor ein paar Tagen habe sie Post von einer ehemaligen Schülerin des College Saint-Marie erhalten, die nun Deutsch studieren wolle. Um den Kontakt zu vertiefen und die Sprache zu lernen, sind die Schüler sowohl in Saint-Brieuc als auch in Frankfurt in Gastfamilien untergebracht. „Wir haben lange Wartelisten. Jeder Schüler kann nur einmal teilnehmen. Viele musste ich auf das nächste Jahr vertrösten“, sagt Tanguy.

Unterdessen zeigt Alireza Rahmani, der technische Assistent der Peter-Petersen-Schule, den Gästen seinen kleinen Film, den er über die Eschersheimer Gesamtschule gedreht hat. Nach einem kleinen Rundgang durch die Schule teilt sich die Gruppe. Denn noch läuft der Unterricht. Und den sollen die jungen Besucher aus der Bretagne auch noch genießen dürfen. Zumindest für einen (halben) Tag. (hau)




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