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23.08.2007

Vom Acker bis zur Theke

Von Matthias Pieren
Die Frankfurter zieht es zur Erholung am Wochenende in den Taunus.

Die Familie Etzel schlägt den umgekehrten Weg ein. Mit der Eröffnung ihres vierten Hofladens heute in der Eschersheimer Landstraße 426 zieht es die Bio-Bauernfamilie aus Wehrheim im Hintertaunus in die Metropole.

Im Ladengeschäft einer ehemaligen Feinkostmetzgerei eröffnet die Familie Etzel nach den Hofläden in Wehrheim (1994), Bad Homburg (1998) und Oberursel (2002) bereits ihren vierten Hofladen als Naturkost-Delikatessen-Fachgeschäft. „Es gibt keinen vergleichbaren Familienbetrieb in Frankfurt, dessen Konzept von Acker bis zur Theke nachvollziehbar ist. Damit können unsere Kunden den kompletten Weg der Lebensmittel zur Ursprungsproduktion auf unserem Bauernhof zurückverfolgen“, versichert Inhaberin Beate Etzel.

Vor 20 Jahren, ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, entschied sich ihr damals 47-jähriger Vater Paul Erich Etzel, seinen Bauernhof auf kontrolliert biologischen Landbau umzustellen. Heute ist er gemeinsam mit seinem Sohn Werner und Tochter Beate eine der erfolgreichen Biolandwirtsfamilien in Hessen. Längst hat Paul-Erich den Schlüssel vom Mähdrescher an seinen Sohn abgegeben, der zudem mit der Biozucht von Schweinen und Rindern im neuen Bauernhof oberhalb Wehrheims den Grundstock für die Verwertungskette der Bioprodukte unter dem Dach der Familie gelegt hat.

„Der Boom bei den Bio-Lebensmitteln ist ein idealer Zeitpunkt, um den Verbrauchern in Frankfurt die Bedeutung hochwertiger Lebensmittel aus der Region schmackhaft zu machen. Wir legen Wert auf regionale und saisonale Produkte in Demeter-, Bioland- und Naturlandqualität“, sagt Beate Etzel. Nach dem Beginn ihres BWL-Studiums mit Schwerpunkt Marketing war sie eigentlich gar nicht mehr mit auf dem elterlichen Hof eingeplant. Doch längst trägt die Vertriebsstruktur der familieneigenen Landwirtschaftsprodukte über die Hofläden der Familie Etzel ihre Handschrift.

Mittlerweile betreibt Bruder Werner die Landwirtschaft in der siebten Generation weiter. Auf seinem Naturkornhof in Wehrheim züchtet er Angus- und Limousin-Rinder. Rund 500 Schweine der Rasse „Schwäbisch Häller Landschwein“ tummeln sich in großen Ställen und im Freilaufgehege mit Blick auf den Feldberg. Alle Tiere leben auf Stroh, können sich frei bewegen und ihren Instinkten nachgehen. Das Futter für die Tiere wird auf den Getreidefeldern drum herum geerntet. Hier wächst Getreide für Brot- und Backwaren, aber auch das Futter für die Tiere.

„Während jeder Discounter heute seine eigene Bio-Reihe auf den Markt wirft, spüren wir im Bio-Fachhandel, dass die Handelswaren eines Bio-Vollsortimenters unwichtiger werden“, hat die Landwirtstochter beobachtet. „Deshalb legen wir den Schwerpunkt unseres neuen Hofladens in Frankfurt auf eigene Fleisch- und Wurstwaren, sowie auf unsere Vollkornbackwaren, Biokuchen- und Torten.“ Zwischen 40 und 50 Prozent der angebotenen Lebensmittel in dem 90 Quadratmeter großen Ladengeschäft haben ihren Ursprung in der familieneigenen Landwirtschaft.

Seit Anfang an arbeitet die Familie Etzel mit einer Bio-Mühle, einem Bio-Metzger und einem Bio-Bäcker zusammen. Für das Geschäft in Eschersheim hat Beate Etzel einen Fleischermeister eingestellt. Eine Bäckerin in Frankfurt backt die Kuchen und Torten nach Urgroßmutters Rezepten. Wenn das Geschäft in der Eschersheimer Landstraße erst einmal angelaufen ist, wollen die Etzels einen Catering-Service mit eigenen Bio-Produkten in Frankfurt aufbauen.

„Unsere Kunden können uns bei einem Wochenendeausflug gerne auch im ehemaligen Kurtrierischen Amtshof in Wehrheim besuchen kommen, der seit dem 14. Januar 1811 im Familienbesitz ist und heute noch von meinen Eltern bewohnt wird“, lädt Beate Etzel zum Ausflug ein.




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