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05.05.2008

Die Kämpfer für den Tunnel geben nicht auf

Etwa ein Fünftel des Vermögens einer Stadt liegen unter der Erde.

VON MARKUS BULGRIN

Diese Weisheit stammt aus dem U-Bahnbau. Jürgen Gruber, hat selbst Jahrzehnte lang Trassen und Tunnel im Auftrag der Stadt geplant, die Konstruktionen beaufsichtigt, die Statik geprüft. Der Diplom-Ingenieur erlebte 1966 den Bau der A-Linie mit.

Zwei Jahre später rollte die erste U-Bahn Frankfurts über die Nord-Süd-Achse. Damals wussten die Planer noch nichts von den 20 Prozent. Das ist Jürgen Gruber heute auch klar. Und: die Chancen, die Stadtbahn noch einmal unter die Erde zu bekommen, stehen denkbar schlecht, sie gehen inzwischen gegen null. Denn die Stadt hat jetzt die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) veröffentlicht.

Keine Überraschungen erwarteten Verkehrsexperten und Römer-Fraktionen unisono schon vor anderthalb Jahren, kurz nachdem der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) eine erneute Expertise gefordert hatte. Und tatsächlich: Ein errechneter Wert von rund 0,3 (größer als 1,0 wäre wirtschaftlich) lässt den Tunnel zur Utopie werden. Und damit auch einen Zuschuss von Bund und Land.

Zu diesem Ergebnis kommt das Beratungsunternehmen Intraplan Consult aus München - und stellt die Gesamtkosten von 250 bis 300 Millionen Euro einem Gesamtnutzen von etwa 1,3 Millionen Euro im Jahr entgegen. Wahrlich keine Überraschung - denn Auftraggeber der NKU ist die VGF.

Folglich geht es nur um die Vorteile für den öffentlichen Nahverkehr. Nämlich den Gewinn an Zeit und an zusätzlichen Fahrgästen auf der Strecke zwischen Dornbusch und Heddernheim. Die "Kollateralschäden", wie Ortsvorsteher Friedrich Hesse sie nennt, fließen in die "wenigen und dürren Aussagen" nicht mit ein.

Zerschnittene Stadtteile, Anwohner, die durch Abgase, Lärm und Staub krank werden. Ein stark leidender Einzelhandel. Mehr als zwei Dutzend Tote, die von der U-Bahn überrollt wurden, seit 1968. Die Parole "ein Toter im Jahr", geht in den Vierteln entlang der Gleise um. Dieser Zynismus gipfelt nur noch in der Summe von 170.000 Euro, die für jeden Todesfall in der NKU zugrunde gelegt wird.

Dementsprechend fallen auch die Reaktionen auf das Papier aus: "Lustlos gemacht", sagt Hans-Günter Müller von den Freien Wählern (BFF) im Ortsbeirat 9, "der Auftrag war von vorneherein, alles abzuschmettern".

Doch die Kämpfer für den Tunnel geben nicht auf. Allen voran Klaus Funk, FDP-Ortsbeirat und Sprecher der Bürgerinitiative "Eschersheimer oben ohne", der an dem "notwendigen Stück Stadtreparatur" festhält. Die immensen Kosten sollen durch ein PPP-Modell finanziert werden. Die Stadt würde so rund 10 Millionen Euro jährlich tilgen, bei einer Laufzeit von 25 bis 30 Jahren.

Auch die CDU im Ortsbeirat teilt diese Meinung: "Denkverbote darf es an dieser Stelle nicht geben." Auch im Verkehrausschuss wird die Diskussion weitergehen, kündigt Vorsitzende Annette Rinn (FDP) an: "Es braucht politischen Willen, damit der Tunnel nicht beerdigt wird."




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