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15.07.2008

Leben ohne Gitter


VON MARKUS BULGRIN
Keine Zäune, keine Gitter und kein Schotter mehr. Dafür breitere Gehwege, Spuren für Fahrradfahrer und Bäume auf beiden Seiten der Straße.

Und vor allem Sicherheit für Fußgänger:
keine Toten oder Schwerverletzten mehr durch die oberirdische U-Bahn an der Eschersheimer Landstraße. Bisher ist das eine Vision, für viele gar eine Utopie. Doch die FDP im Stadtteil hält weiter an einer Untertunnelung fest. Nun legt sie erneut Fakten und Hochrechnungen vor.

Gemeinsam mit Experten hat der Liberale Klaus Funk einen Plan ausgearbeitet. Darin fährt die A-Linie zwar unterirdisch - aber nur bis zum Weißen Stein. Das kostet keine 250 Millionen Euro, sondern nur einen Teil davon, und ist technisch eher zu realisieren. Denn die U-Bahn kann generell nur vier Prozent Steigung überwinden. Für eine entsprechend lange Rampe gibt es in Heddernheim, dem ursprünglichen Endpunkt des Tunnels, keinen Raum. Dafür am Weißen Stein, hinter dem die Bahn wieder ans Tageslicht kommen soll. Die bisherige Haltestelle am Weißen Stein soll etwa 150 bis 200 Meter verlegt werden. Auf die Maybachbrücke. "Das wäre die ideale Verknüpfung zwischen S- und U-Bahn", so Funk. "Dazu müsste die Brücke etwas verbreitert werden."

Seitdem die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) mit einem denkbar schlechten Ergebnis vorliegt, ist die Sache im Römer aber scheinbar erledigt. "Wir stehen ein bisschen vor einer Mauer", sagt FDP-Fraktionsvorsitzende Annette Rinn. Die Vorsitzende des Verkehrsausschusses will weiterhin auf Bund, Land und Stadt einwirken. "Es wird zunehmend klarer, dass es nur um politischen Willen geht." In der Tat. Denn das einzige Argument gegen den Tunnel sind bislang die horrenden Kosten gewesen. Doch die FDP und auch die Bürgerinitiative "Eschersheimer oben ohne", der Klaus Funk vorsteht, haben Kontakt zur Hessischen Förderbank aufgenommen. Und deren Vorsitzender Rudolf Kriszeleit rechnet vor, wie "ein solcher Betrag ohne Mühe geschultert werden kann".

Die Kosten von 250 Millionen Euro können über einen Zeitraum von 25 oder 50 Jahren gestreckt werden. Bei einer Laufzeit von 50 Jahren und fünf Prozent Zinsen jährlich, betrüge die Belastung zehn bis elf Millionen Euro pro Jahr. "Die Stadt Frankfurt erhält über die Kommunalfinanzierung die günstigsten Konditionen überhaupt", so Kriszeleit. Zumal der Haushalt wieder aufblüht - und durch Umschichtung solche großen Summen hergeben könnte.

Laut einer Umfrage der BI "Eschersheimer oben ohne" sind die meisten Menschen, die an der Trasse wohnen, für den Tunnel. Das belegen Unterschriftenaktionen. Zugleich herrsche aber "höllische Angst", sagt Funk, vor dem Lärm und der Belästigung der jahrelangen Bauarbeiten. Unbegründet, wenn man der Meinung von Hubert Quick vertraut, den BI und FDP ebenfalls ins Boot holten. Der Bauingenieur ist seit 30 Jahren Spezialist für Tunnelbau, hat im Berliner Regierungsviertel beraten und bei den Hochgeschwindigkeitsstrecken des ICE.

Da es keine offene Bauweise mehr gibt, gebe es auch "keinen Staub, Lärm und Dreck". Stattdessen schaffen riesige Tunnelbohrmaschinen eine Doppelröhre. In einer solchen Tiefe, dass die oberirdische U-Bahn derweil weiterfahren kann. Der Verkehr würde nur dort abgesperrt, wo gerade der Bohrer ist - plus zwei Schächte an End- und Startpunkt. Bei den knapp über drei Kilometern veranschlagt Quick eine Bauzeit von rund zwei Jahren. Für nähere Details bräuchte es eine Machbarkeitsstudie, doch im Zuge der NKU wären nicht einmal deren Kosten gerechtfertigt.




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