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21.06.2010

Zurück in die Vergangenheit

Eschersheim und Ginnheim erhofften sich viele Vorteile von der Eingemeindung nach Frankfurt vor 100 Jahren. Vieles von dem, was die Stadt versprach, ging jedoch erst nach langem Warten in Erfüllung.

Im Ortsbezirk 9 liegen mit Eschersheim und Ginnheim gleich zwei Stadtteile, die vor 100 Jahren nach Frankfurt eingemeindet wurden. Um dem Jubiläum Rechnung zu tragen, hatte der zuständige Ortsbeirat die Historiker Hans-Otto Schembs und Oskar Zindel in den Saal der Emmausgemeinde eingeladen. Die beiden sollten in Chroniken blättern und über die bewegte Vergangenheit der Stadtteile Auskunft geben.

Elf neue Stadtteile

Dass 100 Jahre eine lange Zeit sind, in der sich viel verändert, wurde beim Blick in die Historie des Ortsbezirks 9 schnell deutlich. Eschersheim und Ginnheim gehörten zu den insgesamt elf Stadtteilen, um die sich das Frankfurter Stadtgebiet im Jahr 1910 vergrößerte. Heute sind aus den ursprünglichen elf sogar 13 geworden – einer der beiden neuen ist der Dornbusch.

«An einen Stadtteil Dornbusch dachte bei der Eingemeindung natürlich noch niemand», erläuterte Hans-Otto Schembs. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs sei der Dornbusch, der seinen Namen vermutlich den früher allgegenwärtigen Dornenbüschen im Bezirk verdanke, gegründet worden.

Für Eschersheim und Ginnheim brachte die Eingemeindung zehn Jahre nach der Jahrhundertwende viele Vorteile mit sich: «Die Stadtteile versprachen sich vor allem einen besseren Anschluss an die Nahverkehrswege, bessere Straßen und eine Kanalisation», berichtete Schembs.

Damals seien viele Versprechungen gemacht worden, doch nicht alles, was versprochen wurde, habe schnell umgesetzt werden können: «Beileibe nicht alle Blütenträume der damaligen Zeit reiften auch: Eschersheim war unproblematisch, aber Ginnheim musste lange auf versprochene Verkehrswege warten.» Auch den Stadtteilpolitikern sei das mit der Zeit natürlich aufgefallen.

Parallelen zu heute

«Das mit den Versprechungen ist schon sehr interessant», sagte Ortsvorsteher Friedrich Hesse mit einem Augenzwinkern. «Auf so manche Umsetzung von angedachten Maßnahmen warten wir im Ortsbeirat ja auch etwas länger.»

So fern bei der Eingemeindung vor 100 Jahren der Gedanke an einen Stadtteil namens Dornbusch lag, so fern lag auch die Zeit, in der ein Ortsbeirat die Interessen der Bürger in den Stadtteilen wahren sollte.

Die grundsätzliche Idee zu solchen Gremien habe es aber schon damals gegeben: «Bezirks- und Bürgervereine sollten das Gemeinleben stärken und über die Einhaltung der in den Eingemeindungsverträgen gemachten Versprechungen wachen», erläuterte Schembs.

Die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit ist für den Ortsbeirat 9 nichts Neues, immer wieder werfen die Stadtteilpolitiker einen Blick in die Historie ihrer Stadtteile. Im Jahr 2009 sorgten sie zum Beispiel dafür, dass das im Jahr der Eingemeindung aufgestellte Kriegerdenkmal am Weißen Stein wiedererrichtet wurde.

Die ursprüngliche Herkules-Statue ging im Zweiten Weltkrieg verloren. «Da wurde der Herkules eingeschmolzen und wohl zu Munition verarbeitet», erläuterte Oskar Zindel. Während Schembs sich in seinem Vortrag auf die allgemeine Geschichte der Eingemeindung konzentrierte, tauchte Zindel in die Details der Stadtteilgeschichte ein.

«Als der Herkules im Jahr 1910 aufgestellt wurde, trug er einmal über Nacht plötzlich Sockenhalter oder hatte einen Koffer in der Hand», berichtete Zindel. «Die Eschersheimer hatten eben ihren eigenen Umgang mit ihrem nackten Germanen.»



Von Robin Göckes

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