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03.01.2013

Vor 125 Jahren fuhr die erste Bahn

Am Weißen Stein erinnert heute noch das Depot an die Eschersheimer Bahn. Vor 125 Jahren startete die erste Bahn vom damaligen Dorf Eschersheim nach Frankfurt. Dort, wo heute die U-Bahn-Linien 1,2,3 und 8 die Gäste transportieren, verkehrte zuerst eine Pferdebahn. Heute erinnert noch das alte Depot am Weißen Stein an die Anfangsjahre.

Es waren die sogenannten Gründerjahre, überall im Deutschen Reich brummte es. Auch in einem kleinen Dorf nahe Frankfurt: Eschersheim. Der Ingenieur Dr. Julius Kollmann ließ sich auf das Wagnis ein und gründete 1887 die "Frankfurter Localbahn Actien-Gesellschaft" (FLAG). Nur ein paar Monate später, am 12. Mai 1888, fuhr die erste Pferdebahn zwischen Eschersheim und Frankfurt bis zum Eschenheimer Tor. Sie löste damit einen Pferdeomnibusbetrieb ab.

Doch die Pferdebahn war nur ein kleines Zwischenspiel. Schon im September ersetzte eine kleine Dampflokomotive die Rösser. Dann für die rund 4,7 Kilometer lange Strecke benötigten die Pferde bei leichten Trab rund 45 Minuten, ohne Pause. Die Strapazen waren einfach zu groß, da auch Steigungen zu bewältigen waren.

Wie die Autoren Anton Wiedenbauer und Hans-Jürgen-Hoyer in ihrem Buch "Fahrt in die Zukunft – Die Geschichte der Frankfurter Straßenbahn" bemerken, war die heutige zweispurige und vielbefahrene Eschersheimer Landstraße "eher ein befestigter Feldweg, der in Schlangenwindungen durch Wiesen und Felder" kroch. Denn bis auf einzelne Häuser begann die Bebauung erst an der heutigen Holzhausenstraße.

Aus zwei Lokomotiven und drei blau gestrichenen Waggons bestand zunächst der gesamte Fahrzeugpark der Eschersheimer Bahn. Platz nehmen konnten die Fahrgäste auf Bänken. Eine Bahn hatte sogar ein Oberdeck, das allerdings nicht überdacht war. Wer dort saß, war nicht nur dem Wetter ausgesetzt, sondern auch dem Qualm der Lokomotive. Das Depot der Eschersheimer Bahn stand am Weißen Stein. Das Gebäude steht noch heute, ist aber von der Straße aus hinter einem Wohnhaus versteckt und verfällt zusehends.

Schon früher Unfallstrecke

Schon damals hatte der Betreiber mit Unfällen zu kämpfen. Ursache war aber nicht wie 125 Jahre später der starke Verkehr, sondern die Technik. Da Gleise und Weichen schnell in einem schlechten Zustand waren, entgleiste die Bahn ständig. In einem Zeitungsartikel von 1897 wird darüber berichtet, "dass neuerdings fast keine Woche vergeht, ohne dass ein Unfall auf dieser Strecke zu verzeichnen ist". Ein Problem dabei war auch die eingleisige Führung. Nur auf Höhe der heutigen Miquellallee gab es eine Ausweichstation.

Einigermaßen sicher war man erst wieder, als die Holzhausenstraße erreicht wurde. Das Straßenpflaster gab den Schienen einen sicheren halt, der auf dem Feldweg nicht gegeben war. Dann war das Reiseziel nicht mehr weit. Nach einigen Wegebiegungen war der Eschenheimer Turm zu sehen. Das letzte Stück war dann zweigleisig. Hier wurde die Lokomotive abgekuppelt, fuhr bis zur Weiche vor, dann rückwärts am Zug entlang, um wieder an der anderen Seite angekuppelt zu werden. Die Rückfahrt nach Eschersheim begann. Da die Nachfrage nach dieser Verbindung eher gering war, fuhr die Bahn nur alle halbe Stunde.

Ursprünglich sollte die Strecke noch ausgebaut werden. Dr. Kollmann wollte eine Abzweigung von der Eschersheimer Strecke über den Heiligenstock nach Bergen führen. Dann wollte der Ingenieur die Strecke über Vilbel, Bischofsheim und Hochstadt bis nach Hanau verlängern. Doch das Tiefbauamt beschied 1896 dem Antragsteller, dass "für eine solche Bahn kein Bedürfnis" bestehe.

Als am 1. Januar 1908 die Stadt Frankfurt die Strecke der FLAG übernahm, verbesserte sich vieles. Die Gleise wurden erneuert, die Strecke elektrifiziert und über die Nidda bis nach Heddernheim verlängert. Die Stadt ersetzte die Dampfbahn am 1. März 1908 durch die Linie 23. Das Zeitalter der Straßenbahnen hatte begonnen. Erst 60 Jahre später endete auch diese Periode, zumindest im Nordwesten der Stadt, mit der Eröffnung der U-Bahnlinie auf der sogenannten A-Strecke.

Selbst damit war die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Seit Dezember 2010 ist der neue Stadtteil Riedberg ebenfalls über die Strecke ans Schienennetz angeschlossen. Und noch immer gibt es Stimmen, die die Linien gänzlich unter die Erde verschwinden lassen wollen. Auf absehbarer Zeit fehlt dafür allerdings das Geld. (sö)



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 02. Januar 2013

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