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16.01.2013

Mit 26 Sextanern ging es los

Ein Jahrhundert Ziehenschule: Die Realschule von einst ist heute eines der größten Gymnasien der Stadt. Als Realschule 1913 gegründet, zählt die Ziehenschule heute zu den größten Gymnasien in Frankfurt. In diesem Jahr feiert die Europaschule ihr 100-jähriges Bestehen.

Der alte Dielenboden knarrt beim Betreten der Aula, der Duft nach Holz liegt in der Luft. Manfred Eichenauer, Schulleiter der Ziehenschule, öffnet die Vorhänge an den großen Fenstern. Wo seit einem Jahrhundert Konzerte und Theateraufführungen stattfinden, wird auch in diesem Jahr kräftig gefeiert: Die Ziehenschule wird 100 Jahre alt. Die offizielle Festwoche mit Ehemaligentreffen, Gala-Abend und Schulfest findet vom 2. bis 8. Mai 2013 statt.

"Etwas ganz Besonderes ist die Decke der Aula", sagt Eichenauer und zeigt nach oben. Vor drei Jahren habe ein Restaurator sieben Farbschichten Stück für Stück abgetragen. Tränen in den Augen habe der Handwerker gehabt, als er das historische Blumenmuster freigelegt hatte. Liebevoll restauriert präsentiert sich die Aula nun nahezu in ihrem Urzustand. Gebaut wurde sie 1914, zusammen mit dem Altbau, dem Mittelteil des heutigen Hauptgebäudes.

Start mit 26 Sextanern

"Die Ziehenschule wurde bereits ein Jahr zuvor, genauer gesagt am 3. April 1913 als Eschersheimer Realschule gegründet", sagt Eichenauer. Sie war ein Geschenk der Stadt Frankfurt an die bis 1910 selbstständige Gemeinde Eschersheim als Teil des Eingemeindungsvertrags. 26 Jungen in der Sexta, der damaligen fünften Klasse, und drei Lehrer – das war die Eschersheimer Realschule. Mit dem Schulgebäude wurde erst später begonnen. Die Heddernheimer Volksschule bot den Sextanern Unterschlupf.

Umgezogen wurde 1914. "Je zwei Jungs und ein riesiger Papierkorb liefen mit dem gesamten beweglichen Gut von Heddernheim nach Eschersheim", heißt es in alten Aufzeichnungen. 1922 legten die ersten zehn Oberprimaner ihre Reifeprüfung auf der damaligen Oberrealschule ab. 1926 folgte die Umbenennung in Ziehenschule. "Namensgeber der Schule ist Prof. Dr. Julius Ziehen. Ein angesehener Frankfurter Pädagoge", sagt Eichenauer. Die stetig steigenden Schülerzahlen, 1928 besuchten mehr als 600 Schüler die Schule, sanken mit der Weltwirtschaftskrise ein Jahr später.

Der Nationalsozialismus hinterließ seine Spuren auch an der Ziehenschule. Die Schule wurde den politischen Vorgaben angepasst. Jüdische Schüler und Lehrer gab es 1934 kaum. Nach dem Krieg stiegen die Schülerzahlen schnell an, das Schulgebäude war bald zu klein. Abhilfe schafften Baracken und ein bis heute existierender Anbau aus den 1970er Jahren.

1990 war für die Ziehenschule ein besonderes Jahr. "Nach dem Friedrich-Ebert-Gymnasium in Bonn waren wir die zweite Schule in Deutschland, an der neben dem deutschen auch das französische Abitur abgelegt werden konnte", blickt Eichenauer zurück. Partnerschaften mit Schulen aus den USA, den Niederlanden, Schweden, Finnland, Litauen und Polen prägen die internationale Ausrichtung des Gymnasiums. Seit 2001 ist die Schule Teilnehmer am Landesprogramm Hessische Europaschulen.

Eine weitere wichtige Säule im Schulprogramm bilden die Mint-Fächer: Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik und Technik, die auch mit außerschulischen Aktivitäten gefördert werden.

Mit derzeit 1400 Schülern und 125 Lehrern gehört die Ziehenschule zu den größten Gymnasien der Stadt. "Es ist jedes Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Wöhlerschule. Mal sehen, wer im nächsten Jahr mehr Schüler hat", wirft Manfred Eichenauer schon jetzt einen Blick auf das kommende Schuljahr. Die Ziehenschule wird dann wieder G 9 anbieten. 2013 sollen auch die Baracken und der Bau aus den 1970er-Jahren abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Optisch wird er angepasst an die 2011 fertiggestellte Mensa. So ist das Gymnasium auch für die nächsten 100 Jahre gut gerüstet.(jdi)



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 15. Januar 2013

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