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04.04.2014

Bagger beißt sich in den Bunker

Betonklotz Im Wörth wird von der größten Baggerzange Europas in seine Einzelteile zerlegt. Die Tage des Bunkers Im Wörth sind gezählt. Gestern biss Europas größte Baggerzange erstmals zu – innerhalb von acht Wochen wird das massive Bauwerk in einen Schuttberg verwandelt. Auf den Abriss folgt dann ein Neubau.

Eine große Staubwolke wirbelt durch die Luft, als sich die Baggerzange langsam in das Mauerwerk beißt – trotz des Wasserstrahls, der aus dem roten Schlauch gegen die Fassade spritzt. Binnen weniger Sekunden hat die Zange mit ihren zwei Zähnen den ersten Teil der einen Meter dicken Außenwand des Bunkers zerlegt. Unter lautem Getöse fällt der Schutt auf die Erde, ehe der zwölf Tonnen schwere Betonbeißer das nächste Mauerstück anvisiert. 575 Tonnen Beton und Stahl, bis zu 1,50 Meter dick, kann die Zange mit einer Öffnungsweite von 2,20 Metern mit einem Biss zermalmen.

Abbruch in acht Wochen

„Eine größere Zange gibt es in Europa nicht“, ist Simon Zeller vom gleichnamigen Abbruchunternehmen Zeller aus Offenbach stolz auf das schwere Gerät, das den Bunker Im Wörth nach und nach in seine Einzelteile zerlegt. Die insgesamt 10 000 Tonnen Betontrümmer, Stahl und Schutt werden bereits während des Abbruchs abgefahren und landen auf der Deponie Kelsterbach. Dort wird der Großteil recycelt, der Beton im Straßenbau wiederverwendet. Sechs Wochen sind für den Abbruch des oberirdischen Teils des 54 Meter langen, 16 Meter breiten und acht Meter hohen Bunkers eingeplant. Zwei Wochen kalkuliert das Unternehmen für die Zerlegung der ungefähr 1,50 Meter dicken Fundamentplatte.

Auch wenn der eigentliche Baggerbiss erst gestern erfolgte, bereits vor vier Wochen begannen die Vorarbeiten für den Abbruch. Das Innere des 1942 errichteten Hochbunkers wurde entkernt – Wandverkleidungen, Holz, Teppiche, Lampen und Plastik landeten auf dem Müll. Das meiste waren Überbleibsel des SV Eschersheim – dem Schützenverein, der von 1984 bis 2013 im Bunker beheimatet war.

Die Schützen mussten weichen, weil das niederländische Immobilienunternehmen Ten Brinke den Hochbunker vor einem Jahr für vier Millionen Euro von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben kaufte. Sie plant auf dem 2500 großen Areal binnen zwei Jahren zwei Neubauten mit 42 Eigentumswohnungen und Penthäusern.

Messen der Erschütterung

Bis es soweit ist, liegen vor dem Betonbeißer und den Mitarbeitern des Abbruchunternehmens allerdings noch mehrere Stunden Arbeit. Damit die Anwohner so wenig gestört werden wie möglich, passiert vor 7 Uhr morgens nichts auf der Baustelle. Zudem stehen in den umliegenden Häusern, die teilweise nur zehn Meter vom Bunker entfernt sind, Erschütterungsmessgeräte. „Wir versuchen den Abbruch für die Anwohner so erträglich wie möglich zu halten“, sagt Simon Zeller. Bis jetzt gebe es keinerlei Beschwerden – nicht von den Nachbarn und auch nicht von der Ziehenschule, mit der man im regen Kontakt stehe. „Wir sind zufrieden, so kann es weitergehen.“

Den größten Teil des Abrisses übernimmt die Zange; allerdings werde auch die irgendwann an ihre Grenzen stoßen, ist sich Simon Zeller sicher. Mit den 1,10 bis 1,50 Meter dicken Wänden habe der Betonbeißer noch keine Schwierigkeiten, problematisch werde es allerdings bei den 1,50 Meter dicken Decken. „Schafft es die Zange nicht alleine, müssen wir mit kleinen Lockerungssprengungen nachhelfen“, sagt der Bauingenieur. Auf einer Fläche von 30 bis 50 Quadratmetern werden dann rund 20 Löcher in die Decke gebohrt und mit Sprengstoff gefüllt. Nach der Explosion, die in der Nachbarschaft nicht hörbar, sondern nur durch Schwingungen spürbar sei, fallen die Decken in den Bunker und können mühelos von der Zange entfernt werden.

Die hat sich derweil ein paar Meter weit vorgearbeitet und zerbeißt mit einem schrillen Quietschton die aus dem Beton stehenden Stahlstreben. Regelmäßig müssen ihre spitzen Zähne geschliffen und aufgearbeitet werden – damit sie auch in den nächsten acht Wochen noch kraftvoll zubeißen kann.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 04.04.2014. Von Judith Dietermann

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