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25.10.2014

Wo Eschersheim sich trifft

Der Presse Shop Schaad am Weißen Stein wird 25 Jahre alt und feiert das Jubiläum mit einem Oktoberfest. Nicht wegzudenken ist der Laden aus dem Stadtteilbild, finden Kunden hier doch immer ein offenes Ohr, alles, was sie in einem Presseladen erwarten und noch ein bisschen mehr.

Eschersheim. Sogar Angehörige des Frankfurter Industrie-Adels kaufen am Weißen Stein 17 ein. Ingeborg Schmidt (89) von der gleichnamigen Farben-Dynastie hat sich soeben mit ihrem Rollstuhl in den Laden fahren lassen. „Ich kaufe schon seit Jahrzehnten hier ein. Schon, als Vater Schaad seinen Laden noch in der Kurhessenstraße hatte“, erzählt sie. Dieser habe für ihren Vater zudem früher immer mal wieder den Chauffeur gegeben. Schaads Frau Daniela helfe ihr noch immer in schriftlichen Angelegenheiten.

So läuft das im Presse Shop Schaad. Inhaber Oliver (51) und seien Frau Daniela (47) verkaufen Zeitungen, Tabak, Schreibwaren und seit zwei Jahren auch Geschenkartikel. „Um uns hervorzuheben, müssen wir unseren Kunden jedoch immer ein bisschen mehr und immer wieder etwas Neues bieten“, erklärt Oliver Schaad.

Mittlerweile macht seine Familie dies seit 25 Jahren. Am Freitag stieg anlässlich des Jubiläums vor dem Laden daher ein kleines Oktoberfest mit Leberkäs, Weißwurst und Fassbier. Die bayerisch gefärbten Feierlichkeiten ändern jedoch nichts daran, dass die Schaads von ganzem Herzen Eschersheimer sind und mit ihrem Laden auch das soziale Miteinander im Stadtteil prägen.

Gemeinsam ist man stark

Während in Zeiten von Wettbüros und Handyläden andere Ortsmitten von Stadtteilen ihren urtümlichen Charakter verloren haben – siehe Rödelheim und Fechenheim – haben die Schaads mit ihrem Laden auch immer dazu beigetragen, dass Eschersheim bislang weitestgehend von solchen Entwicklungen verschont geblieben ist.

„Wir greifen uns hier gegenseitig unter die Arme, ohne uns gegeneinander auszustechen“, sagt Oliver Schaad. Die Bänke für das Oktoberfest seien von einer nahen Gaststätte zur Verfügung gestellt worden. Die Weißwurst kommt direkt vom Schlemmerladen nebenan, der die frühere Drogerie Schlecker mehr als ersetzt. Und wenn Inhaber Schaad sein Sortiment erweitert, denkt er immer daran, ob er damit nicht einem Ladeninhaber in der Nachbarschaft schadet: „Brötchen zum Beispiel werden hier nicht verkauft, wenn man sie beim nahen Bäcker bekommt.“ Man verändere nichts, bevor man sich nicht in der Nachbarschaft umgehört habe.

Mit der Zeit gehen, müsse man dennoch: Vor zwei Jahren wurde die Ladenfläche erweitert. Daniela bietet dort nun Geschenkartikel an. „Hochwertige Artikel allerdings, die man in 1-Euro-Läden nicht bekommt“, sagt Inhaber Schaad. Einen entsprechenden Laden gibt es nämlich auf der anderen Straßenseite. Passfotos können Kunden am Weißen Stein 17 anfertigen lassen. Wer seine Schuhe reparieren lassen möchte, kann sie ebenfalls bei den Schaads abgeben, dank einer Kooperation mit einem Schuster.

Im Vergleich zu vielen anderen Presseläden in Frankfurt profitiert das Ehepaar Schaad von der Lage seines Geschäfts. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Haltestelle am Weißen Stein und der Eschersheimer Bahnhof. Der Weiße Stein dient drei Buslinien als Drehkreuz und ist der Umstiegspunkt zur U-Bahn. Zudem liegen mehrere Schulen im Einzugsgebiet.

Stammkunden

Bis zu 70 Prozent der Kunden, schätzt Oliver Schaad, seien auch deshalb Stammgäste. Und diese legten immer Wert auf ein „kleines Schwätzchen“. Manchen mache es daher auch nichts aus, den weiten Weg von Bonames nach Eschersheim zurückzulegen.

Wie ein älterer Stammkunde, der an Alzheimer erkrankt ist. „Wir fahren ihn dann wieder heim, drei Tage später kommt er wieder gelaufen, das gleiche Spiel“, erzählt Oliver Schaad. Die wirklichen angenehmen Dinge im Leben, wie ein Besuch im Presse Shop Schaad, bleiben also haften, selbst wenn die Erinnerung an alles andere erloschen ist.

Gefeiert wird das Jubiläum auch heute noch ab 10 Uhr.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 25.10.2014.Von Ben Kilb


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