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21.04.2015

Eschersheimer nicht überlastet

Seit gut zwei Wochen ist die Eschersheimer Landstraße im nördlichen Teil einspurig. Probeweise, bis zu den Sommerferien. Große Staus blieben bislang aus – das freut das Straßenverkehrsamt. Auch die Radfahrer sind begeistert, sie trauen sich nun vermehrt auf der Straße zu fahren.

Friedrich Hesse (CDU) tut an diesem Vormittag das, was er sonst eigentlich nie tut. Er ist auf der Eschersheimer Landstraße unterwegs. Mit dem Fahrrad. „Einmal bin ich nun die Strecke vom ,Weißen Stein’ bis zur ,Hügelstraße’ gefahren. Das werde ich sicher nie wieder machen. An sechs Ampeln musste ich halten, in den Parallelstraßen ist es gerade mal eine“, begründet der Vorsteher im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim), warum er die ruhige Variante abseits der Hauptverkehrsader gen Norden bevorzugt.

Obwohl er seit Beginn des Probebetriebs, sprich der Einspurigkeit auf der Eschersheimer Landstraße, als Radfahrer deutlich mehr Platz hat. Neben den parkenden Autos auf der rechten Spur steht den Radlern dort rund ein Meter zur Verfügung. „Die Einspurigkeit hat für mich als Radfahrer lediglich einen Vorteil: Ich fühle mich von hinten deutlich weniger bedrängt. Eben weil die Autos nur auf einer Fahrspur unterwegs sind“, so Hesse. Vielmehr spricht der Ortsvorsteher bei der Idee der Stadt, die Eschersheimer zwischen dem „Weißen Stein“ und der „Hügelstraße“ irgendwann gänzlich zu verschmälern von „Symbolpolitik“ und „ positive Diskriminierung der Autofahrer“. Die Kosten für diesen Umbau betragen 4,1 Millionen Euro. „Die Grünen begründen den Umbau damit, dass jetzt eben die Radfahrer dran seien. Nachdem sie jahrelang vernachlässigt wurden“, sagt Hesse.

Die Radfahrer, die seit Beginn der Probephase auf der Eschersheimer unterwegs sind, spielen für Ulrich Schöttler zunächst eine untergeordnete Rolle. Vielmehr freut sich der Leiter des Straßenverkehrsamtes, dass der Verkehr fließt. Auch in den Stoßzeiten. Obwohl nur eine Spur zur Verfügung steht. Genau dieser Punkt war es nämlich, der von den Eschersheimern am stärksten kritisiert wurde. Neben der Befürchtung, dass die Autos auf die Nebenstraßen ausweichen und diese belasten. Weiterer positiver Nebeneffekt: Eine deutliche Verbesserung hat sich für die Fußgänger eingestellt. Das verbotswidrige Parken halb auf dem Gehweg wird nun nicht mehr praktiziert. Fußgänger haben ausreichend Platz auf dem Gehweg, auch für ihre Kinderwagen oder Rollstühle.

Stadt ist zufrieden Zweimal war Schöttler in den vergangenen 14 Tagen im morgendlichen Berufsverkehr auf der Eschersheimer unterwegs. Einmal in und einmal nach den Osterferien. „Es war völlig problemlos, der Verkehr floss an allen Ampeln ab, als diese auf Grün schalteten“, so der Experte, der von Stau spricht, wenn man an einer Ampel dreimal hintereinander halten muss. Dass sei ihm jedoch nicht passiert. Im Gegenteil. „Ich bin mehrfach rauf und wieder runter gefahren und musste vor keiner Ampel mehr als einmal halten. Von daher bin ich mehr als zufrieden“, so Schöttler. Auch das Ein- und Ausparken auf den temporär mit Parkwinkeln markierten Plätzen auf der rechten Spur stelle kein Problem dar.

Diese Fakten addiert lassen Ulrich Schöttler zu einem deutlichen Zwischenurteil kommen. „Die Eschersheimer hat im oberen Teil noch reichlich Leistungsreserven. Vielleicht gibt es auch Zeiten, in den denen es etwas voller ist, denn Verkehr ist auch zufällig. Aber Stau gibt es mit Sicherheit zu keiner Zeit“, sagt er. Gezählt werden soll der Verkehr auf der Eschersheimer und in den Nebenstraßen übrigens vor den Sommerferien, kurz vor Ende des Versuchs. Um abschließend festzustellen, ob die Fahrzeuge sich einen andern Weg, sprich die Nebenstraße, gesucht und die Hauptverkehrsstraße gemieden haben. Während die Autos also brav auf der linken Spur fahren, nutzen auffällig viele Radfahrer den gewonnenen Platz auf der rechten Spur. Wie Dieter Müller, der das Radeln auf der Eschersheimer seit zwei Wochen als deutlich angenehmer empfindet. „Ich bin regelmäßig hier unterwegs und habe deutlich mehr Platz“, freut er sich. Auch Judith Wilms kann sich nicht beklagen. Allerdings äußert die junge Frau auch Kritik. „Man muss als Radfahrer höllisch aufpassen, dass man nicht von einer plötzlich aufgehenden Autotür erwischt wird“, sagt sie.

Mulmiges Gefühl Genau dieser Punkt ist es, der auch Rachid Rawas (SPD), stellvertretender Ortsvorsteher und Fraktionsvorsitzender im Stadtteilparlament, Bauchschmerzen bereitet. „Bestimmt zwanzig Mal“ war er auf dem 1,4 Kilometer langen Abschnitt unterwegs. „Ich fühlte mich nicht bedroht durch die parkenden oder vorbeifahrenden Autos. Allerdings hatte ich immer ein mulmiges Gefühl“, sagt er. Ohnehin glaubt er, dass die Testphase im nördlichen Abschnitt nur der erste Schritt zur Umgestaltung der gesamten Eschersheimer Landstraße ist. „Das spricht niemand offen aus, es ist die verdeckte Politik. Irgendwann wird es aber einen durchgehenden Radweg von Eschersheim bis in die Stadt geben. Und nur eine Spur für Autofahrer“, ist er sicher.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 21.04.2015. Von Judith Dietermann

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