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29.03.2016

Zukunft für den Drosselbart

Das Lokal an der S-Bahnstation muss doch nicht schließen. Der Drosselbart hat dank neuer Pächter eine Zukunft. Andrea Parrandier und Stefan Möllner kümmern sich nun um das Lokal.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen kommen, ist der Biergarten schnell belegt – unter den schattigen Kastanien beim Drosselbart einen Schoppen zu genießen, gehört bei vielen Eschersheimern zu den Lieblingsbeschäftigungen. In den vergangenen Monaten dann der Schock: Das Lokal war zu, es gab Gerüchte, der Biergarten würde zu Baugrund, der Drosselbart vielleicht für immer geschlossen. Doch dann kamen zwei, die das nicht mitansehen konnten und anpackten. Andrea Parrandier und Stefan Möllner haben für den Drosselbart gekämpft und lassen ihn nun als neue Pächter mit frischem Charme erstrahlen.

An einigen Wänden sind sie noch zu sehen, die Ziegel aus denen das Haus gebaut ist. Einige sind tiefrot, andere heller, erklärt Andrea Parrandier. Es waren die Vorfahren ihres Mannes, die diese Ziegel in der Brennerei brannten, neben der die neue Pächterin des Drosselbarts auch heute noch wohnt. Die Wände waren eines jener Dinge, die sie und Stefan Möllner erhalten wollten, als sie begannen, die Gaststätte Anfang des Jahres zu renovieren. „Unser Ziel war es, den Charme zu erhalten und doch ein wenig frischen Wind hinein zu bringen“, erklärt Möllner.

Bereits seit vier Jahren ist er im Lokal beschäftigt. Als der vorige Pächter dann verkündete, in den Ruhestand zu gehen, begannen die Gespräche zwischen ihm und Andrea Parrandier,. Die 54-Jährige ist schon seit einigen Jahren Teilhaberin. Verkünden zu können, dass das Lokal erhalten bleibt, mache sie stolz und glücklich. „Es war ein harter Kampf“, erklärt Stefan Möllner. Sich gegen Investoren zu behaupten und standhaft zu bleiben, während sich Baufirmen um das begehrte Bauland rissen, habe viel Kraft gekostet. Nun sei jedoch „alles gut“, erklärt Möllner.

„Zur Stadt Frankfurt“ hieß der Drosselbart früher, denn während heute die S-Bahn direkt am Lokal hält, fuhr hier damals bereits die Dampfbahn ab und verband die Eschersheimer mit der Stadt, erklärt Stadtteilhistoriker Oskar Zindel. Bis zum Krieg trug das Lokal den Namen und damit auch in der Zeit, als es den Eltern von Karl Scherer gehörte. Auch heute geht der Eschersheimer noch gerne in die Gaststätte, in der er seine Kindheit verbrachte.

„Damals hat der Schoppen 18 Pfennig gekostet“, erinnert er sich. In der Scheune im Hof des Lokals habe sein Vater den Apfelwein selbst gekeltert. Heute ist dort eine Autowerkstatt untergebracht. Es sei damals gar nicht so einfach gewesen, die Äpfel anzuliefern, erklärt Karl Scherer: „Die Wagen waren riesig und kamen kaum um die Ecke der Hofeinfahrt. Darum haben meine Eltern sie damals kurzerhand abgerundet.“ Karl Scherer erinnert sich gerne an seine Kindheit im Drosselbart, das nach der Goldenen Kron das zweitälteste erhaltene Lokal im Stadtteil ist.

„Der Drosselbart ist unser Dorfmittelpunkt“, sagt Barbara van der Loo. Gemeinsam mit ihrer Initiative „L(i)ebenswertes Eschersheim“ trifft sich van der Loo regelmäßig zum Stammtisch im Lokal. Die Atmosphäre genieße sie im Winter wie im Sommer: „Es ist das einzige Lokal, in dem man sich auch mal nur zum Schoppen trinken treffen kann.“ Schon jetzt freue sie sich, wenn sie wieder einen der hart umkämpften Plätze im Biergarten ergattern kann.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 29.03.2016. Von Valerie Pfitzner

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