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14.06.2016

Ein Smart-Markt für Eschersheim

Ende der Woche schließt der Rewe-Markt in der Maybachstraße für mindestens eineinhalb Jahre. Die Nahversorgungslücke schließen könnte ein sogenannter Smart-Markt - allerdings frühestens in vier Monaten.

Was bereits angekündigt war, wird nun bittere Realität: Am kommenden Samstag (18. Juni), hat der Rewe-Markt in der Maybachstraße vorerst zum letzten Mal geöffnet. Damit verschärft sich die ohnehin schon schlechte Nahversorgung in Eschersheim. Bleiben den Anwohnern künftig doch nur noch drei Märkte, um im Stadtteil einkaufen zu gehen: der Biomarkt am Weißen Stein, der Penny-Markt zwischen Lindenbaum und Hügelstraße sowie der Nahkauf-Markt am Lindenbaum.

Geschlossen werden könnte diese Lücke durch einen sogenannten Smart-Markt, ein Vollsortiment-Markt, der sich an den Bedürfnissen der Anwohner orientiert und in Partnerschaft mit einem großen Lebensmittelversorger steht. „Wir eröffnen in Stadtteilen, in denen Bedarf an Einzelhandel besteht. Zudem integrieren wir Langzeitarbeitslose wieder im Berufsleben“, erklärte Volker Tollkühn, Geschäftsführer der gemeinnützigen Smart Work Frankfurt GmbH bei der Vorstellung des Konzeptes in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim). Neu ist die Idee des Smart-Marktes nicht, drei davon gibt es bereits in Frankfurt: in Bonames, Eckenheim und Sindlingen. Der älteste Markt existiert seit zehn Jahren. Eine weitere Filiale könnte bald auch in Eschersheim eröffnen.

400 Quadratmeter Fläche

Auch wenn es noch keine konkreten Pläne gibt, so besteht laut Tollkühn ein starkes Interesse an diesem Stadtteil. Für die Umsetzung seien allerdings einige Voraussetzungen nötig. „Wir brauchen eine geeignete Fläche von mindestens 400 Quadratmetern, zunächst am besten einen Fünf-Jahres Vertrag sowie rund 350 000 Euro. Davon sind 250 000 Euro für die Ausstattung des Marktes, 100 000 Euro fließen in den ersten Warenbestand“, sagte Volker Tollkühn. Zudem wies er darauf hin, dass sich im Umkreis von 600 Meter kein anderer Markt befinden solle: „Wir wollen nicht die Geschäftstätigkeit anderer Läden stören, sondern nur die Nahversorgung verbessern.“ Mindestens 800 000 Euro Umsatz sollte ein Smart-Markt im Jahr machen. Darunter sei es „schwierig“ zu existieren, die Refinanzierung quasi unmöglich.

Geöffnet wäre ein solcher Smart-Markt von acht bis 20 Uhr, vier bis fünf Mitarbeiter seien dort beschäftigt. Auch wenn die Kunden alles für den täglichen Bedarf bekommen, so unterscheiden sich die Smart-Märkte doch optisch deutlich von anderen Geschäften. „Die Märkte werden oft auf Ladenflächen eröffnet die noch den Charme der 1960er- oder 1970-Jahre haben. Zudem sind unsere Regale mit 1,60 Meter deutlich niedriger. Nur so können wir garantieren, dass auch Senioren alles selbstständig erreichen“, erklärte Tollkühn.

Positiv aufgenommen wurde die mögliche Eröffnung bei den Mitgliedern des Ortsbeirates. „Solch ein Geschäft wäre ungemein wichtig für die Anwohner. Denn mit der Schließung des Rewe in der Maybachstraße haben wir in Alt-Eschersheim bald überhaupt keinen Markt mehr“, sagte Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU).

Trotzdem müsste Tollkühn etwas auf die Euphorie-Bremse treten. Denn Eröffnung könnte frühestens in vier, wohl eher in sechs Monaten sein. Jetzt sei der Ortsbeirat am Zug „das Interesse politisch zu formulieren.“ Erst dann könne die Suche nach einem geeigneten Ladenlokal beginnen. Sei der Markt erst einmal eröffnet, soll er dauerhaft bleiben. „Eine temporäre Öffnung ist für uns keine Option. Für solch einen Fall gibt es die Idee eines Busses, der zweimal die Woche Lebensmittel verkauft. Das geht auf dem Dorf, ob so etwas in der Stadt möglich ist müssen wir prüfen“, so Tollkühn.

Neueröffnung Ende 2017

Auf den Rewe-Markt müssen die Eschersheimer übrigens nur temporär verzichten. Er eröffnet Ende 2017 im Neubau an gleicher Stelle. Bauherrin ist die ABG Frankfurt Holding, die dazu das ehemalige Batschkapp-Areal und den Grund daneben, auf dem der Rewe-Markt steht, erworben hat.

Entstehen soll dort ein vierstöckiger Bau mit Einzelhandelsflächen, Tiefgarage mit 45 Stellplätzen für Mieter und Kunden und 27 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen. Elf Millionen Euro investiert die ABG in das Passivgebäude, das einmal mehr zeigt, dass eine kombinierte Lösung von Wohn- und Gewerbeimmobilien in der Stadt immer populärer wird.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 14.06.2016. Von JUDITH DIETERMANN

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